Trust the Artist : Customizing


Maisondora Customizing Tisch

Antike Möbel eines speziellen Stils in bestimmten Abmessungen zu finden, ist schwierig. Werden die Stücke daneben farblich passend zur Einrichtung gewünscht, ist Customizing eine Lösung. Wir haben es mal ausprobiert.


Eine Kundenanfrage aus München: Für die Einrichtung eines Hauses wird ein bestimmter Typ Tisch gesucht. Ein passendes Stück wird im Internet zur Abholung in Hamburg angeboten. Allerdings farblich nicht dem Stil der neuen Räumlichkeiten entsprechend.

Ob ich mir gegebenenfalls vorstellen könnte.. ?

 

Für Projekte dieser Art sollte die Chemie stimmen. Wenn jemand ein Antikmöbel aus dem Internet kauft, um es von einem ihm unbekannten Dritten individuell gestalten zu lassen, via Mail und Telefon, dann gehören dazu Zeit, Mut und Vertrauen. Wie auch Zuverlässigkeit und Einfühlungsvermögen. Mein Motto "Vertraue dem Künstler" birgt ja ein Risiko. Vieles läßt sich bei Unikat-Projekten nicht exakt kalkulieren, z.B. weil Dinge hinzu kommen oder sich ändern. Eine Kommunikation über Farbnuancen, Einrichtungsstile und persönlichen Geschmack hat eine gewisse Intimität einerseits und birgt andererseits auch Potential für Missverständnisse, wie so oft, wenn verschiedene Menschen über das Gleiche sprechen möchten.

Hier stimmte die Chemie auf Anhieb. Zugleich war dieses Pilot-Projekt auch ein kleines Wagnis für uns beide. Spannend! Wir gingen es gemeinsam an.

Nachdem die wesentlichen Eckdaten des Auftrags besprochen waren, kaufte die Kundin Ihren antiken Tisch im Internet. Da ich in Hamburg lebe, holte ich ihn für sie beim Verkäufer ab.

Für den Transport mit Decken und Gurten gesichert wird der dänische Weichholztisch ins Atelier gefahren.

 

Schon beim Abholen zeigt sich, daß er Risse an den Beinen und Holzwurmlöcher in der Platte hat.  Die weiße Lasur scheint auf Wachsbasis zu sein, kein transluzenter, geblätterter Lack.


Die Vorbehandlung fällt daher umfangreicher aus, als geplant. 


Zunächst wird der Tisch von seiner Altlasur befreit. Anschließend werden die Risse repariert und der Holzwurm behandelt. Am Ende bekommt das Holz gegen Verfärbungen beim Anstrich einen Schellack-Blocker.



Fotos des vorhandenen Interior, der Räumlichkeiten mit ihren Lichtverhältnissen, Sichtachsen, Böden und Farbtemperaturen bilden die Grundlage für die gemeinsame Planung der Farbwahl. Der Tisch soll historisch, modern und elegant wirken, gern mit einem gewissen mallorquinisch-mediterranen Landhaus-Flair. Ein in der Wohnung wiederkehrendes Graugrün wird ausgewählt, kombiniert mit dem Salbeigrün der Kissen.

Ich lasse mir Stoff- und Farbmuster zusenden, bestimme die Töne mit einem RAL-Farbfächer und bestelle möglichst ähnliche Farbtöne. Da ich ökologische Farben & Finishs von Herstellern verwende, die vorwiegend eine begrenzte Palette historischer Farbtöne anbieten, mische ich die endgültigen Nuancen mit Pigmenten selbst an.

(Die exakte (Re-)Produktion einer bestimmten Farbe ist so eine kleine Leidenschaft von mir und gelingt sehr gut.)

Dann beginnt der Anstrich.



Der Tisch wird Graugrün mit sehr feinen Salbei-Dunklungen der Tiefen an seinen Profilen.

Damit er nicht zu clean wirkt, erhält allein die Kante der Tischplatte einen minimalen Abrieb.

Ein mattes Finish läßt das Möbel fast puderig wirken und schützt gleichzeitig die Oberfläche.

Um als Esstisch feucht abwischbar und möglichst kratzfest zu sein, bekommt die Tischplatte eine zusätzliche, seidenmatte Versiegelung. 


Am Ende wird das fertige Stück für den Speditionsversand verpackt und nach München versendet.

Farbe & Umsetzung der gewünschten Anmutung kommen sehr gut an, das ganze Projekt hat allen Beteiligten Freude gemacht. Was will man mehr?!

 

Ich zeige den Tisch nochmal, fertig: